Warum ich Sexualtherapeutin geworden bin
Sexualität hat mich schon immer fasziniert – vielleicht gerade, weil in meiner Biographie kaum jemand offen und positiv darüber sprach. In meiner Familie? Fehlanzeige. In der Schule? Ein steriles Kapitel über „Empfängnis“ im Biologiebuch, das wir bitte zuhause lesen sollten. An der Uni? Ein einziges Wahlseminar zu „Sexualpsychopathologien“. (Klingt sexy, war´s aber nicht.)
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Als Teil der letzten Generation, die ohne Internet aufgewachsen ist, blieb nicht viel an Informationsquellen: Sogar Pornos waren schwer zugänglich und sowieso „nur was für Jungs“. Es schien, als ob Sex gleichzeitig etwas „ganz Natürliches“ und Wunderbares sein müsse, ich aber – gerade als Mädchen und junge Frau – doch nur überall davor gewarnt wurde.

Sexualität war also ein Thema, das ich mir selbst quasi zurückerobern musste– durch Fortbildungen, Literatur, Filme und viele Gespräche mit den unterschiedlichsten Menschen.

Als ich Anfang der Nullerjahre meine erste Ausbildung in Sexualberatung und Sexualpädagogik neben meinem Psychologie-Studium begann, war es noch ein absolutes Orchideen-Fach. (Erst seit etwa 10 Jahren boomen Angebot und Nachfrage von Sexueller Bildung, Sexualberatung und Sexualtherapie regelrecht!)

Davor hatte ich bereits am Tageszentrum der Wiener Aidshilfe gearbeitet. Eine Zeit, die mich sehr prägte, weil sie mich mit der Fragilität des Lebens und der massiven Diskriminierung von Minoritäten konfrontierte. In den darauffolgenden Jahren arbeitete ich in Frauengesundheitszentren, sexualpädagogischen Projekten mit Kindern und Jugendlichen und in Einrichtungen für Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen. Dies lehrte mich nicht zuletzt, wie Sexualität in institutionellen Kontexten oft aktiv behindert wird und wie Angst und Vorurteile sexuelle Rechte einschränken können.

Parallel zu meiner Systemischen Psychotherapie-Ausbildung absolvierte ich meine „klassische“ Sexualtherapie-Ausbildung bei der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung und gründete 2005 meine erste Privat-Praxis in Wien. Daneben arbeitete ich 8 Jahre lang in der Sexualberatungsstelle „Courage“ mit Schwerpunkt auf LGBTIQA+ Personen mit einem großartigen und diversen Team, das ich heute noch manchmal vermisse.

Weitere Fortbildungen – etwa bei Ulrich Clement, Arnold Retzer und David Schnarch – haben meine therapeutische Identität sehr geprägt und mir gezeigt, wie humorvoll, kreativ und vielseitig Sexual- und Paartherapie sein können.

2010 gründete ich gemeinsam mit Kolleg*innen die „Sexualakademie Wien“, die Aus- & Weiterbildungen in Sexualpädagogik, Sexualberatung und Sexualtherapie anbietet. Sie ist Teil der Österreichischen Gesellschaft für Sexualwissenschaften (ÖGS), deren Co-Präsidentin ich seit 2015 bin.

Berlin ist seit 2016 meine Herzens- und Wahlheimat und ich habe den Umzug nie bereut. Seit 2017 arbeite ich in meiner Praxis im Prenzlauer Berg, bin Dozentin an der Sigmund Freud Universität Berlin und leite Seminare sowie einen Lehrgang für Systemische Sexualtherapie am Berliner Institut für Familientherapie. Heute sehe ich Sexualität als Lupe aufs Menschsein. Auf unsere Sehnsüchte und Ängste und auch, was jede*n von uns einzigartig macht. Sexualität interagiert mit allem, was mich sonst noch interessiert: Kunst, Kultur, Politik, Wissenschaft, Religion und Gesellschaft... Wie kann man da nicht fasziniert sein?

Ich habe gelernt: Über Sexualität kann man sprechen – sogar ziemlich gut, wenn es einen (Erlaubnis)Raum dafür gibt. Sex ist weder in sich gut oder schlecht- es ist das, was wir draus machen. Ich begleite Menschen dabei, für sich herauszufinden, ob und auf welche Weise sie Sexualität ausdrücken, nutzen und leben möchten.

Die harten Fakten

Arbeitsfelder

  • Einzel-, Paar- und Sexualtherapie in freier Praxis
  • Zertifizierte Trainerin und Supervisorin
  • Co- Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Sexualwissenschaften (ÖGS)
  • Sprecherin des Fort- & Weiterbildungsausschusses der ÖGS
  • Lehrgangsleitung „Systemische Sexualtherapie" (BIF)
  • Referentin am Berliner Institut für Familientherapie (BIF)
  • Dozentin an der Sigmund Freud Privatuniversität (SFU)
  • Referentin der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für systemische Therapie (OAS)
  • Langjährige Mitarbeiterin der Beratungsstelle „Courage" Wien

Ausbildungen (Auszug)

  • Studium der Psychologie (Universität Wien)
  • Systemische Familientherapie (ÖAS Wien)
  • Systemische Paartherapie (SIH Heidelberg, A. Retzer)
  • Systemische Sexualtherapie (IGST Heidelberg, Ulrich Clement)
  • Sexualtherapie (Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung)
  • Sexualtherapie nach „Crucible Approach" (David Schnarch)
  • Sexualberatung & Sexualpädagogik (Internationale Akademie für Ganzheitsmedizin)
  • Approche Sexocorporelle ISP Wien/ ZISS (P. Gehrig)
  • Erwachsenentrainerin (IHK)

Mitgliedschaften & Kooperationen

  • ÖGS (Österreichische Gesellschaft für Sexualwissenschaften)
  • DGfS (Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung)
  • ÖAS (Österreichische Arbeitsgemeinschaft für systemische Therapie & systemische Studien)
  • SG (Systemische Gesellschaft)
  • ÖGFSSG (Österr. Gesellschaft zur Förderung der Sexualmedizin & der sexuellen Gesundheit)
  • Pro Familia Berlin (Netzwerk Sexualberatung)
  • SNB (Systemisches Netzwerk Sexualtherapie Berlin)

Mein Wertekompass

Vielfalt verdient Respekt

Das bedeutet für mich die Anerkennung und Wertschätzung aller Geschlechtsidentitäten, sexueller Orientierungen, ethnischer Zugehörigkeiten, Glaubensrichtungen, sozialen und kulturellen Hintergründen, sexuellen Vorlieben sowie Lebens- und Beziehungsformen. Bei mir sind Sie willkommen, wie auch immer Sie leben und lieben!

Sexuelle & reproduktive Rechte

Zentral für mich persönlich, aber auch für meine therapeutische Haltung: Ich orientiere mich an den sexuellen und reproduktiven Menschenrechten der WHO.

Kontinuierliche Qualitätssicherung

Man lernt nie aus! Deswegen sind mir Fortbildungen sowie Super- und Intervision mit zertifizierten Fachkolleg*innen sehr wichtig.

Abgrenzung von Pseudowissenschaften

In meiner Arbeit orientiere ich mich am aktuellen Stand von Wissenschaft und Forschung. Ich distanziere mich bewusst von esoterischen, pseudowissenschaftlichen oder nicht evidenzbasierten Konzepten- ohne die persönlichen Weltanschauungen oder Zugänge meiner Klient*innen zu bewerten.

Kontakt

Ob für Therapie, Supervision oder einen Fachvortrag- hier können Sie Kontakt mit mir aufnehmen. Ich freue mich darauf, Sie unterstützen zu dürfen!

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